Omar El-Khatib - Erzieher im Zilleklub

Zu Gast im Zilleklub, einer Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung des Klubheim e.V.

von Gerald Backhaus

Ob Kinder, Jugendliche oder Eltern und die Nachbarschaft - Omar El-Khatib kennen alle im Zilleklub, einem der zentralen Orte im Osten von Moabit. Der beliebte Erzieher arbeitet für die Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung des Trägervereins Evangelisches Klubheim für Berufstätige e.V. seit 2017 und weiß als Herr über die Räume zudem genau, was wann wo stattfindet. Zum Interview sitzen wir zuerst auf der Terrasse am Eingang ins Obergeschoss im Schatten unter der Markise, die Omar extra heruntergelassen hat. 

Rollende Blumenbeete…

Hier soll es mit Unterstützung des Quartiersmanagements Moabit-Ost bald als Begrünung „rollende Blumenbeete“ geben, die zur Öffnungszeit heraus gerollt werden können. Schon nach kurzer Zeit springt Omar auf und möchte mir alles zeigen und erklären. 

Der neue Sportplatz

Wir laufen durch’s ganze Gebäude und steigen auf’s Dach, weil man von dort aus den neuen Sportplatz gut fotografieren kann. Gerade sind zwei Gartenbauer damit beschäftigt, die Ränder zu bepflanzen. Der Sportplatz mit dem blauen Boden wurde auf einer Fläche des Zileklubs für die benachbarte Kurt-Tucholsky-Grundschule (KTS) gebaut. Der kann im Ausgleich dafür vom Zilleklub immer von 16 bis 21 Uhr genutzt werden. Eigentlich sollte er im Mai 2026 fertig sein, Omar hofft jetzt auf September. Der Sportplatz gehört wie der große runde Sandkasten zum Außenbereich des Zilleklubs. „Dort wollen wir auch eine kleine Grillecke bauen.“ Zudem wird die kleine Wiese am Sportplatz mit Unterstützung des QM-Projektes „Quartier Moabit-Ost aktiv gegen Klimawandel“ begrünt und ein Apfelbaum gepflanzt.

Baustellen in der Rathenower Straße

Auf dem Dach sieht man: um uns herum gibt es noch mehr Baustellen. Auf der anderen Seite des Zillehauses wächst gerade ein Wohnhaus mit 108 neuen Mietwohnungen heran. Und dem benachbarten Hochhaus, in dem sich aktuell mit einer Krisenwohnung des Drogennotdienstes befindet, steht eine Sanierung bevor. Ist die beendet, können dort in Zukunft wieder der Moscheeverein Haus der Weisheit e.V. und andere Institutionen einziehen. Das Umfeld des Zilleklubs steht also vor großen Veränderungen. Was das genau für den Jugendklub bedeutet, ist noch nicht absehbar. 

„Ich bin im ‚Schlupfwinkel‘ groß geworden.“

Omar ist Palästinenser, seine Eltern stammen aus dem Libanon. Er ist ein Moabiter, aufgewachsen in der Rostocker Straße. „Ich bin im ‚Schlupfwinkel‘ groß geworden“, erzählt er und meint damit die Einrichtung in der Kaiserin-Augusta-Allee, den zweiten Jugendclub in Trägerschaft des Klubheim e.V. Hätte er damals geahnt, dass er mal selbst als Erzieher arbeiten wird? Sicher nicht. Nach der Schule hat Omar zunächst eine Ausbildung zum Alten- und Krankenpfleger gemacht. Später arbeitete er im Jugendklub Halemweg in Charlottenburg und absolvierte berufsbegleitend die Erzieherausbildung. 

Von Marek Marczynski, Cem Aydin und dem Zilleklub als “sicherem Raum”

Aus seinen beiden Jugendbetreuern im „Schlupfwinkel“ wurden später Kollegen. Mit Marek Marczynski arbeitet Omar im Zilleklub direkt zusammen, und Cem Aydin, der inzwischen Sozialraumkoordinator beim Jugendamt des Bezirks Mitte geworden ist, bezeichnet er als Vorbild. Von ihnen nahm er auch die Regel mit, möglichst „nicht genau dort zu arbeiten, wo man wohnt“. Das hat mit Abgrenzung zu tun, erklärt Omar. Denn was er von den Jugendlichen in dem „sicheren Raum“, den ein Jugendklub darstellt, so alles mitbekommt, ist nicht für die Ohren ihrer Eltern bestimmt. Aus diesem Grund dürfen Mütter und Väter auch nur zum Bringen und Abholen ihrer Kinder ins Zillehaus. 

Geöffnet an sechs Tagen die Woche, auch sonntags

Insgesamt rund 40 bis 60 Kinder besuchen den Klub an einem durchschnittlichen Tag, schätzt Omar. Darunter sind viele Mädchen, „mehr als in mancher Mädcheneinrichtung“. Auch oben in der Jugendetage sind es so um die 50 Jugendliche, die über den Tag verteilt kommen. Geöffnet hat das Haus an sechs Tagen die Woche: wochentags für Kinder ab 6 Jahren von 13 bis 18 Uhr und für die Jugendlichen ab 12 Jahren von 16 bis 20 bzw. 21 Uhr. Sonntags hat der Zilleklub von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Geschlossen ist nur am Sonnabend. Ziel ist es, den Kindern und Jugendlichen nach der Schule bis in den frühen Abend hinein vielfältige Angebote für eine sinnvolle Freizeitgestaltung anzubieten. 

Von Basketball bis Theater - zahlreiche Kooperationspartner in Moabit

Das Team um Omar und Marek versteht den Klub mit all seinen Möglichkeiten als eine Spielwiese zum „Chillen“, für Spiele, Toben und Sport auf dem Gelände. Dabei arbeitet der Klubheim e.V. eng zusammen mit dem Familienzentrum Moabit-Ost und dem Jugendberatungshaus sos.mitte, mit Outreach und dem Basketballverein BC Lions Moabit 21 sowie dem deutsch-türkischen Theaterensemble Theater 28. Omar betont, dass er von Melanie Stiewe und Birgit Bogner von Smart viel gelernt hat, besonders was Bereiche wie Raumvergabe und Vermietung angeht.

"Grundsätzlich haben wir eine offene Tür“, 

betont Omar „und alles hier geschieht freiwillig.“ Mit kleinen Einschränkungen bei Aktivitäten wie Theater und Tanzen: bei denen sollte man eine gewisse Regelmäßigkeit bei den Proben mitbringen, damit es mit den Auftritten klappt. 

Von Theater, Tanzen und gemeinsam Kochen bis Boxen und Kraftsport

Aktuell existieren im Zillehaus vier Theatergruppen, darunter zwei für Kinder und zwei für Jugendliche. Bei den Tanzangeboten erfreut sich der Hip-Hop-Kurs sehr großer Beliebtheit. Fußball steht bei den sportlichen Aktivitäten ganz hoch im Kurs. Trainiert wird - ebenso wie Basketball - in der Schulsporthalle der KTS. Für Boxen und Kraftsport verfügt der Zilleklub über eigene Räume im Kellergeschoss. Abgerundet wird die vielfältige Angebotspalette durch gemeinsames Kochen und Backen - Pizza, Nudeln und Fischstäbchen sind sehr beliebt - sowie die künstlerischen Aktivitäten von Graffiti-Gestalten bis Keramik. 

Viele Honorarkräfte unterstützen das Team

Die vielen Honorarkräfte, die die einzelnen Angebote für die Kinder und Jugendlichen anleiten, arbeiten in der Regel zwei Stunden pro Woche bzw. 8 Stunden im Monat. 2027 sollen es wieder wie früher 3 Stunden pro Woche bzw. 12 im Monat werden, hofft Omar, weil „alle Projekte so gut laufen.“ 

Auch die Nachbarschaft hat was vom Zilleklub: Chöre, Schul-AGs und das Stadtteilplenum Moabit

Dass auch außerhalb der Öffnungszeiten für Kinder und Jugendliche ganz viel im Zilleklub passiert, zeigt mir Omar auf dem Belegungsplan. Jede Menge „Drittnutzer“ aus der Nachbarschaft geben sich hier an den Vormittagen und abends die Klinke in die Hand. Darunter befinden sich neben dem Deutschkurs der Volkshochschule und Schul-AGs auch Kindergartengruppen, Kurse für Seniorengymnastik, Treffen der Murgos-Musikgruppe, Proben des Donnerstagschores mit Manu und vieles mehr. An den Wochenende probt das Theater 28, und im Theatersaal finden ab und zu größere Veranstaltungen wie z.B. das Stadtteilplenum Moabit statt. Die obere Etage verfügt über große Raumteiler, so dass Veranstaltungen auch dann möglich sind, wenn parallel nebenan die Jugendarbeit stattfindet. 

Sanierung und Wiedereröffnung 2023

Im Jahr 2013 übernahm der Träger Klubheim das Haus, im Juni 2015 fand die feierliche Eröffnung statt. Davon zeugen die Fotos im Flur vor dem prächtigen Theatersaal, den Omar stolz präsentiert. Bis zu 200 Personen finden dort Platz. Die mobilen Spiegel, vor denen ich ihn fotografiere, wurden zum Großteil vom QM Moabit-Ost finanziert. Rund 4,6 Millionen Euro wurden ab 2021 in über zwei Jahren in die Sanierung des Gebäudes gesteckt. Die feierliche Wiedereröffnung fand - nach der Zeit in einem Ausweichquartier in der Lehrter Straße - im September 2023 statt. Omar, sein Team und die Jugendlichen seien zu 99,9 Prozent zufrieden gewesen mit dem Resultat. Was die 0,1 Prozent sei? Das hatten ihn die Architekten gefragt. „Die lindgrüne Farbe, die an eine Zahnarztpraxis erinnert“, erzählt er lachend. 

Räume gesucht?

Wer sich für die Arbeit des Zilleklubs interessiert oder einen Ort für Treffen oder Proben sucht, kann sich einfach bei Omar melden. Vielleicht findet sich noch ein Zeitfenster in seinem Belegungsplan.

Omar sagt DANKE! 

Omar möchte sich gern beim ganzen Zilleklub-Team für die gute Zusammenarbeit bedanken. Dazu gehören neben Marek, Melanie, Funda und Najib viele Honorarkräfte und Ehrenamtliche. Außderdem geht sein Dank an Miriam Gerhard vom Bezirksamt Mitte, an Marcus Lehmann, Cem Aydin und Tobias Ossege vom Jugendamt sowie Julie Kurzke, Saadet Ciftci und Eduardo López Ruiz vom QM Moabit-Ost. Und Omar dankt auch seiner Geschäftsführung vom Klubheim e.V.: Fatos Tpac, Sylvia Linke und Tim Webelhuth.

Kontakt zu Omar und dem Zillklub:

ZILLEKLUB – Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung, Rathenower Straße 17, 10559 Berlin, Tel. 030 62208323 (Kinderbereich), Tel. 030 50566739 (Jugendbereich), E-Mail: zille@klubheim-berlin.de

Text & Interviewfotos: © Gerald Backhaus 2026