Rückblick: Lesung „Einsamsein – Eine Befreiungsgeschichte“
Mit großem Andrang fand am 30. April fand um 18 Uhr in der Selbsthilfe- Kontakt- und Beratungsstelle Berlin Mitte, Perleberger Str. 44, die Lesung zum Buch „Einsamsein – eine Befreiungsgeschichte“ mit dessen Autor Daniel Haas statt.
Er las drei ausgewählte Passagen aus seinem Buch vor, denen das Publikum gebannt lauschte. Zwischendurch griff er im Gespräch mit Anja Breuer zentrale Themen aus den Textstellen auf und vertiefte sie. Dabei wurde deutlich, dass Einsamkeit nicht nur ältere Menschen betrifft, sondern generationsübergreifend ein relevantes Thema ist, mit denen sich viele auseinandersetzen möchten. Trotz des ernsten Themas und seines persönlichen Einstiegs, in dem er die Beweggründe für das Schreiben des Buches schilderte, lockerte sein selbstironischer Schreibstil die Atmosphäre immer wieder auf und sorgte für zahlreiche Lacher. In seinem Buch schildert Haas sein eigenes Erleben, es ist im Stil einer Memoire-Dramödie geschrieben. Nach den Suiziden seiner beiden Elternteile wurde er von tiefen Gefühlen der Einsamkeit geprägt. Er spricht davon, in einer „vorgelebten Isolation“ aufgewachsen zu sein, geprägt durch Depressionen, Suchtverhalten und Affären innerhalb der Familie. Deshalb sollte das Buch zunächst „Erbe der Einsamkeit“ heißen, da sich Traumata und Einsamkeitserfahrungen in seiner Familie über Generationen hinweg fortgesetzt haben, trotz finanziell privilegierter Lebensumstände. Haas betont dabei stets die Unterschiede zwischen verschiedenen Lebensrealitäten und macht deutlich, dass sich seine Erfahrungen von denen marginalisierter Gruppen, etwa queerer oder geflüchteter Menschen, unterscheiden können.
Er verdeutlicht, dass weder Geld noch Status Einsamkeit lindern kann, sondern nur echte Verbundenheit durch Liebe und Freundschaft. Zudem hebt er die Bedeutung von Selbsthilfegruppen hervor, die auch ihm persönlich geholfen haben. Gefühle von Einsamkeit können unter anderem durch Antriebslosigkeit entstehen, umso wichtiger sei es „sich dem Leben zu stellen und mitzumachen“. Zudem hilft „nichts mehr als Menschen in Not zu helfen“.
Am Ende der Veranstaltung wurde der Raum für Fragen und Anregungen geöffnet. Es entwickelte sich ein lebendiger Austausch, den viele Teilnehmende nutzten. Unter anderem wurde nach dem Wal auf dem Buchcover gefragt. Haas entschied sich für den Wal als Motiv, weil es seit den 1980er-Jahren einen Wal gibt, den sogenannten 52-Hertz-Wal, der auf einer ungewöhnlichen Frequenz von 52-Hertz singt. Dadurch ist es ihm nicht möglich, mit anderen Walen zu kommunizieren, weshalb er oft als „einsamster Wal der Welt“ bezeichnet wird. In diesem Sinne hat die Lesung perfekt zu Moabit gepasst. Sie fand im Rahmen der Kooperation zwischen dem QM Moabit-Ost und StadtRand statt: Was als Projekt gegen Isolation (‚Lonesome in Betweens‘) begann, wurde nun mit dieser Lesung als Meilenstein fortgeführt.