Skip to main content

Filmscreening 'Gurbet is a Home now' im ZK/U

| Berichte

Am Dienstag, den 02.12.2025 luden das Quartiersmanagement Beusselstraße und das Quartiersmanagement Moabit-Ost in Kooperation mit dem ZK/U zu einem stimmungsvollen Filmscreening ein. Es kamen etwa 50 Besucher*innen, um sich den 2022 erschienenen Film Gurbet is a Home Now anzuschauen.

Der Film von Pınar Öğrenci erzählt auf eindrucksvolle Weise Geschichten der oft unbeachteten Perspektive der türkischen Migrant*innen während der Phase der Stadterneuerung Berlins. Inspiriert Fotos aus dem Archiv der Stern Gesellschaft, machte sich die Künstlerin auf die Suche nach den Menschen auf den alten Bildern und fand mithilfe einer Familie tatsächlich fast alle wieder.

So entstand die Idee, den Fotos wieder Leben einzuhauchen und die Geschichten der Menschen zu erzählen. Der Film ist ein poetischer Mix aus Fotografien, Videos, Tonspuren, Liedern, Gedichten und Interviews. Anknüpfend an Esra Akcans Buch: Open Architecture bietet der Film viele Einblicke in die oft prekären Lebensrealitäten der Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland kamen: schlechte Wohnbedingungen in heruntergekommenen Häusern, fehlende Rechte, rassistische Stadtplanung, wie die Wohnortbeschränkungen auf Wedding, Moabit und Kreuzberg, Sprachbarrieren sowie Bedrohungen durch Neonazis oder türkische Nationalisten. Doch durch Gedichte von Aras Ören und persönliche Anekdoten der Zeitzeug*innen schafft die Künstlerin es, die die Menschen nicht als Opfer zu inszenieren, sondern ihre widerständischen Stimmen laut zu machen. 

Besonders im Fokus stehen dabei die Erfahrungen der Frauen, die häufig eine doppelte Schicht aus Arbeit und familiärer Verantwortung trugen und sich aktiv für ihre Rechte einsetzten. Dabei geht der Film auf die sozialen Bewegungen und die Phase der Berliner Stadterneuerung der 1980er Jahre mit der IBA ein. Die Architektin Heide Moldenauer setzte sich für eine partizipative Sanierung ein und steht beispielhaft für eine Stadtentwicklung, die auf Solidarität statt Verdrängung setzt. Durch ihre menschenorientierte Arbeit und Gespräche mit den Anwohner*innen, konnten konkrete Bedürfnisse ermittelt werden, die bei der Renovierung berücksichtigt wurden.

So verwebt Gurbet is a Home Now individuelle Geschichten mit strukturellen, stadtplanerischen Zusammenhängen und belebt historische Fakten mit neuem Leben.

Nach dem Filmscreening gab es ein Gespräch mit der Künstlerin Pınar Öğrenci, das von Tuğba Kıratlı-Spriewald moderiert wurde und von İlknur Bilir, sowohl ins Deutsche als auch Türkische übersetzt wurde. Angelehnt an den Titel des Films „Gurbet is a home now“ kam die Frage auf, ab wann man eine Stadt sein zuhause nennt und was es dafür braucht. Gurbet ist ein türkisches Wort und bedeutet so viel wie Fremde. Der Film zeigt, wie nach vielen Jahren das einst fremde Berlin für viele Migrant*innen ein Zuhause geworden ist. In einem sehr persönlichen Redebeitrag aus dem Publikum, erzählte eine ältere Dame von ihrer eigenen Migrationsgeschichte nach Deutschland.

Ein weiterer Aspekt des Gesprächs war der Generationenkonflikt innerhalb der türkischen Diaspora: Während die erste Generation oft aus wirtschaftlicher Not vom Land nach Deutschland kam, besteht die letzte Generation türkischer Migrant*innen vermehrt aus politisch Verfolgten der Großstädte.

Der Film zeigt, wie eng Stadtplanung, sozialer Raum und Zugehörigkeitsgefühle miteinander verwoben sind und wie aktuell diese Debatten angesichts steigender Mieten, Gentrifizierung und eines weiterhin diskriminierenden Wohnungsmarktes bleiben. Gurbet is a Home Now lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie eine gerechtere, solidarische Stadt gestaltet sein sollte.

© Text: Jules Küppers

© Fotos: QM Moabit-Ost, QM Beusselstraße
Dieser Text wurde ursprünglich auf der QM Beusselstraße veröffentlicht.

Back