"Mach mit Moabit" - wie geht’s weiter nach QM?
Interview mit Luis Miguel Benavides und Peter Zweigler
von Gerald Backhaus
Treffpunkt Stadtschloss Moabit in der Rostocker Straße mit Luis Miguel Benavides. Sein Kollege Peter Zweigler kommt später aus dem Büro der Stadtrand gGmbH in der Perleberger Straße herüber gefahren. Die beiden Männer arbeiten für ganz Moabit, ihr Projekt „Mach mit Moabit“ hat zwei Träger und zwei Standorte.
Von Madrid nach Berlin: Luis Miguel Benavides
Bei einer Tasse Tee im Sessel im Nachbarschaftstreff des Moabiter Ratschlag e.V. erzählt Luis Miguel zunächst davon, dass er 2019 nach Berlin kam. Aufgewachsen ist er in Madrid, seine Familie stammt aus Peru. In Madrid hat der 28-jährige bereits in einem Gemeinwesen-Zentrum im nördlichen Stadtteil Ventilla gearbeitet. Dort hat er benachteiligten Jugendlichen u.a. Hausaufgabenhilfe gegeben und sie im Fach Mathematik unterstützt. Später in Berlin absolvierte er dann ein Praktikum im Bereich Stadtplanung und Beteiligung. Ihn reizte auch hier, wie schon in Madrid, an der „Kiezebene anzudocken“, so dass er im Wedding - wo er wohnt - im Beteiligungsrat Mitte tätig wurde und z.B. am „Müllgipfel“ teilnahm. Dort kam über Annika Ebert, der Chefin des Moabiter Ratschlag e.V., der Kontakt zum noch recht jungen Projekt „Mach mit Moabit“ zustande. Im Oktober 2025 gab’s den Startschuss.
Auftakt in der Heilandskirche
Die offizielle Auftaktveranstaltung des gebietsübergreifenden Projekts der beiden Moabiter Quartiersmanagement-Gebiete fand am 10. November 2025 unter großer Beteiligung in der Heilandskirche statt. Dort ging es vor allem darum, zuerst einmal gemeinsam über den Status Quo des ehrenamtlichen Engagements in Moabit in den Austausch zu kommen.
Lulu, LeNa und mehr: Peter Zweigler
Peter Zweigler, der zweite Mann an Bord, ist studierter Archäologe. Seit der „Flüchtlingskrise“ im Jahr 2015 widmet sich der Projekt-Kollege von Luis Miguel der Sozialarbeit. Peter baute u.a. ein „Sprachcafé“ in Friedrichshain mit auf. Durch das Projekt „Lulu Café“ von Stadtrand kam er nach Moabit und startete 2016 hier verschiedene Begegnungs- und Selbsthilfeangebote für Flüchtlinge in den Räumlichkeiten der Selbsthilfestelle in der Perleberger Straße. Dort bemerkte Peter, dass migrantische Gruppen etwas anders funktionieren als die mit Mitgliedern, die schon immer oder seit langem in Deutschland leben. Wenn jemand neu im Land ist, geht es nicht nur um das konkrete Thema der Selbsthilfegruppe, sondern da wird viel umfassender nach Hilfe gesucht, z.B. in Bereichen wie Wohnung, Arbeit und Gesundheit. Peter arbeitet in Teilzeit sowohl für das Projekt „LeNa“ - die Abkürzung steht für „Lebendige Nachbarschaften“ - von der Landesfreiwilligenagentur Berlin als auch für „Mach mit Moabit“.
Wissenstransfer vom QM an die neuen Strukturen…
Das Moabiter Projekt dreht sich vor allem darum, wie die Übergangsphase bis zur Schließung der beiden QM-Büros Moabit-Ost und Beusselstraße Ende des Jahres 2027 so gestaltete werden kann, dass daraus etwas Bleibendes für den Stadtteil erwächst. Was kommt 2028 nach den Quartiersmanagements, welche bereits existierenden Strukturen bleiben und können gestärkt werden? „Mach mit Moabit“ möchte in seinen zwei Jahren Laufzeit bis Oktober 2027 die Interessen der Menschen, die in Moabit leben, bündeln. Denn es gibt „hier viele engagierte Leute, die starke Meinungen haben, vor allem zu konkreten Bauvorhaben“, illustriert Luis Miguel das Vorhaben. Dazu fände er es sehr sinnvoll, dass die Stadtteilvertretung Turmstraße mit ihrem Motto „Wir tragen Wünsche und Anregungen aus dem Kiez an Politik und Verwaltung heran“ als Struktur erhalten bleibt. Wichtig dabei wäre aber auch, dass dort eine Offenheit geschaffen wird, die neue Leute mit einbezieht, also eine „andere Willkommenskultur“, wie Luis Miguel es nennt.
Wo kann ich andocken?
Wie kann der Wissenstransfer von den hauptamtlichen QM-Teams, die viel mit Fachsprache aus dem Fördermittel-Bereich arbeiten, hin zu den Ehrenamtlichen und den bleibenden oder neuen Strukturen in Moabit gelingen? Als eine der Kernaufgaben seines Projektes definiert Luis Miguel, dass die aktuellen Quartiersräte von Moabit-Ost und Beusselstraße beim Übergang in andere Interessenvertretungen begleitet werden. Es stellen sich also Fragen wie „Wo kann ich andocken?“ oder „welche geeigneten Plattformen und Initiativen gibt es bereits?“
Straßen- und Online-Umfrage bis März 2026
Um konkreter zu werden, erläutern Peter und Luis Miguel, dass sie zunächst in einer Straßenumfrage von Januar bis März 2026 herausfinden möchten, welche Bedürfnisse die Moabiter überhaupt haben, was ihnen Spaß macht, und an welchen Themen sie vor allem interessiert sind. Dazu werden sie im Frühjahr mit einem Kaffee-Fahrrad an vielen Straßenecken Moabit stehen, weil sie „persönliches Einladen“ und „Nähe“ für ihre Arbeit ganz wichtig finden. Parallel zur Straßenumfrage gibt es auch eine Online-Befragung.
Weiterbildungskurse
Ab April 2026 organisiert das Projektteam dann Weiterbildungskurse zu Themen wie Motivation der Bewohner, Moderation und Konfliktmanagement. Zusammen mit den beiden QM-Teams in Ost und West werden Peter und Luis Miguel die Quartiersräte bei ihren Sitzungen unterstützen und dort auch inhaltliche Impulse setzen. Ein Thema sei die Müllvermeidung und -beseitigung, denn viele Leute möchten sich an Reinigungsaktionen vor der eigenen Haustür, den so genannten „Clean Ups“, beteiligen, um den Kiez sauberer zu machen und die Stadtreinigung BSR bei ihrer Arbeit ehrenamtlich zu unterstützen.
Die eigene Wirksamkeit spüren…
Ein Knackpunkt dabei sei, sagt Luis Miguel, dass die Beteiligten ihre eigene Wirksamkeit spüren. Denn die Barrieren, sich ehrenamtlich zu engagieren, fallen erst dann, wenn man sieht, dass es durch die eigene Arbeit eine wirkliche Verbesserung gibt. Über solche verbindenden Aktionen, wie auch das immer wieder beliebte gemeinsame Kochen und Essen, könne man die Menschen auch zur Mitwirkung an Interessenvertretungen bewegen. Wie das konkret angegangen werden soll, kann man am 17. Februar 2026 beim Stadtteilplenum Moabit erfahren. Diese Veranstaltung wird zusammen von den beiden Moabiter QM-Teams, den zwei Stadtteilkoordinationen und Susanne Torka aus dem B-Laden geplant, es soll aber perspektivisch geöffnet werden.
Vorbilder in Tiergarten-Süd und im Wedding
„Wir wollen Handlungsmöglichkeiten sichtbar machen“ sagt Luis Miguel, weil das Mitentscheiden so wichtig sei. Nach Vorbildern für „Mach mit Moabit“ befragt, berichtete er vom Stadtteil Tiergarten-Süd, wo der Quartiersrat Magdeburger Platz/Tiergarten Süd nach dem Ende des dortigen QMs Ende 2016 in das Stadtteil-Forum Tiergarten Süd. Dessen Vertreter seien auch präsent in den Ausschüssen im Bezirk Mitte. Zudem gründete sich mit finanzieller Unterstützung des ausgelaufenen Quartiersmanagements dort die ehrenamtliche Redaktion „Mittendran“, die „in- und außerhalb des Internets“ Nachrichten aus dem und für den Kiez verbreitet. Auch im Sprengelkiez in Wedding ging es nach dem Ende des dortigen QMs mit einem „Runden Tisch“ des Aktiv im Kiez e.V. weiter, der sich u.a. Themen wie Verkehr, Klima und Seniorenarbeit widmet. Dort sei der physische Ort, das Sprengelhaus, als Treffpunkt wichtig, so Luis Miguel - so wie überall, wenn sich Menschen treffen und gemeinsam engagieren.
Für die örtliche Verankerung in Moabit stehen den Interessenvertretungen zum Glück mehrere geeignete Orte zur Verfügung: von Zillehaus, B-Laden, Kufa und Moabiter Kinderhof im Osten bis zum Stadtschloss und dem Refo-Campus im Westen.
Konkrete Wünsche, Fragen und Anregungen an „Mach mit Moabit“?
Luis Miguel Benavides und Peter Zweigler haben Sprechzeiten vor Ort:
Dienstags von 14 - 16 Uhr im Stadtschloss Moabit, Rostocker Straße 32b, 10553 Berlin
Donnerstags von 13 - 15 Uhr im Lebenstraum / Café LouLou, Lübecker Straße 21, 10559 Berlin
Telefonisch erreichbar sind sie unter Tel. 0155 63 250 666 (Luis Miguel) und 0176 96 847 761 (Peter) und per E-Mail an machmit@moabiter-ratschlag.de
Mach mit - zur Online-Befragung: https://mein.berlin.de/projekte/mach-mit-in-moabit/
Text & Interviewfotos: © Gerald Backhaus 2025. Die Fotos der Auftaktveranstaltung stammen von Luis Miguel Benavides und Peter Zweigler