"Küche für Alle": Das Kochprojekt im B-Laden
Interview zu Moabits neuer Kochgruppe im B-Laden mit Susanne Torka, Jürgen Schwenzel und Katrin Syperek
von Gerald Backhaus
Liebe geht durch den Magen, heißt es, und wir treffen uns zum Vor-Ort-Termin im B-Laden, wo Katrin Syperek, Susanne Torka und Jürgen Schwenzel zunächst voller Freude die neu eingerichtete Küche im hinteren Zimmer zeigen. Fast alles ist schon fertig, nur die Beschilderung und eine Deckenlampe kommen noch. Außerdem werden Gruppenschränke eingebaut und eine Waschmaschine wird angeschafft. Das Gespräch geht dann weiter im vorderen Raum mit dem großen Fenster zur Lehrter Straße.
Der B-Laden, MoabitOnline und Betroffenenrat
Meine Interviewpartner muss ich nicht vorstellen, weil sowohl die beiden „Hausherren“ und Gastgeber des B-Ladens, Susanne Torka und Jürgen Schwenzel, als auch die Projektleiterin Katrin Syperek als Stadtteilkoordinatorin von Moabit-West allseits gut bekannt sind. Susanne und Jürgen zeichneten viele Jahre als Redaktion des Internetportals MoabitOnline.de, das 2025 in „Moazin“ aufging, für die Versorgung der Nachbarschaft mit lokalen Nachrichten verantwortlich. Ihre örtliche Heimat, der B-Laden, ist ein Nachbarschaftsort, der in Eigenverantwortung vom dahinter stehenden Trägerverein Für eine billige Prachtstraße – Lehrter Straße organisiert wird. Der Verein wurde 1988 von einer Anwohnerinitiative gegründet, um gegen Mieterhöhungen, Abriss und Leerstand zu protestieren. 1989 wurde für die Lehrter Straße ein Betroffenenrat gemäß des Baugesetzbuches installiert. In dem 3-Zimmer-Ladenlokal finden Treffen zu aktuellen Themen sowie kulturelle und nachbarschaftliche Veranstaltungen statt.
Seit einiger Zeit wird im B-Laden auch gemeinsam gekocht und gegessen
…erzählen Susanne und Jürgen. Die Idee dazu hatten die beiden Moabiter „Urgesteine“, als nach den Corona-Lockdowns im B-Laden die Besucher ausblieben. Etliche der Gruppen, die sich vor 2020 hier regelmäßig trafen, wichen während der Pandemie an räumlich größere Orte zum Treffen aus. Und dann sind sie dort geblieben und nicht zurückgekehrt. Außerdem sind in den letzten Jahren viele neue Leute in die Gegend gezogen, die sich in der Nachbarschaft einbringen möchten und in der Lehrter Straße viele Mitmachangebote dafür finden, z.B. in der Kulturfabrik beim Theater und im Kino “Filmrauschpalast” sowie in der Nachbarschaftswerkstatt “35services” und dem Gemeinschaftsgarten “Moabeet”.
Zur Idee “Küche für Alle”
Beim Nachdenken darüber, was noch fehlt und die Angebote ergänzen könnte sind Jürgen und Susanne auf eine Gemeinschaftsküche gekommen, weil zusammen zu kochen und zu essen etwas sehr Verbindendes hat, Nähe schafft und dafür bisher kein geeigneter Raum im Kiez vorhanden war. Es hat lange gedauert, bis mit der Umsetzung der Idee begonnen werden konnte. Mit personeller Hilfe von Katrin Syperek vom Moabiter Ratschlag e.V. und der Unterstützung durch das QM Moabit-Ost mit Mitteln des Projektfonds wurde das Projekt „Küche für Alle“ entwickelt. In der Planungsphase wurden von Oktober 2024 bis April 2025 einmal im Monat ehrenamtlich Kochaktionen - damals noch auf zwei Gasflammen in der alten Teeküche – initiiert. Bis zu 15 Kochbegeisterte kamen dafür zusammen, erinnern sich Susanne und Jürgen. Verarbeitet wurden vor allem gerettete Lebensmittel, die die Initiative Foodsharing bereitstellte.
Vom mobilen Pizzaofen bis zu den Renovierungsarbeiten
Im Sommer 2025 war die Kochgruppe beim Flohmarkt auf dem Klara-Franke-Platz präsent. Sie hatte dafür extra einen mobilen Pizzaofen ausgeliehen. Rund 60 Pizzen wurden gebacken, was bei den Gästen sehr gut ankam. Danach begann die Kochgruppe, die sich über diese Monate formiert hatte, mit dem Abriss der alten Teeküche. Es folgten die Renovierungen sowie der Einbau der neuen Küche, bei der auch Handwerksfirmen, z.B. im Bereich Elektrik, zum Einsatz kamen. Gemeinschaftlich wurde in der Kochgruppe darüber entschieden, wie die Küche konkret aussehen wird. Ob es z.B. einen Gasherd oder einen Elektroherd geben wird, war eine viel diskutierte Frage. Es wurde ein Gasherd.
Kräuter aus dem Moabeet-Garten und Siebdruckkurse
Etwa acht feste Mitglieder zählt die Kochgruppe. Hinzu kommen ein paar unregelmäßige Teilnehmer, so dass sich meistens etwa 12 bis 15 Leute zum Kochen im B-Laden treffen. Dabei machen auch Aktive der Moabeet-Gartengruppe und der Kiezwerkstatt 35services mit. Die Kochgruppe wird eine Kräuterspirale im Moabeet-Garten bauen und dann die Kräuter nutzen oder in der Werkstatt bei Bedarf etwas bauen. Beim dortigen Siebdruckkurs wurden blaue Schürzen mit dem Logo „Küche für Alle“ bedruckt. Ein zweiter Siebdruckkurs wird folgen.
Wichtig: ein Hygienekurs
Eine Kooperationspartnerin ist Karen vom Projekt „Lebensmittelpunkte“, die früher das Weddinger Baumhaus mit aufgebaut hat, jetzt jedoch eigenständig arbeitet. Mehrere Teilnehmer hatten sich schon in anderen Kochprojekten engagiert und bringen ihre Erfahrungen ein. Im Frühjahr 2026 wird Karen einen Hygienekurs für alle, die regelmäßig mitkochen möchten, im B-Laden veranstalten. Dort wird seit der offiziellen Küchen-Einweihung am 11. Dezember 2025 mit rund 40 Beteiligten - wie zuvor in der alten Teeküche - mit geretteten Lebensmitteln von Foodsharing gekocht.
Fermentieren, Brotbacken und vegane Aufstriche
Neben den eigentlichen Kochterminen sind zudem Kurse zu Themen wie Fermentieren, Brotbacken und veganen Aufstrichen geplant. Und eine Nachbarin schlug vor, dass sie speziell mit Kindern kochen möchte. Katrin Syperek fasst die drei Säulen des Projektes „Küche für Alle“ so zusammen: Einrichtung einer Küche, Etablieren der Kochgruppe sowie regelmäßige Kurse und andere Veranstaltungen. Positiver „Kollateralschaden“ dabei: so kann es gelingen, mit dem Einbeziehen jüngerer Menschen die Zukunft des B-Ladens abzusichern. Neben der Planungsgruppe Kochen gibt es nun auch eine Zukunftsgruppe. Denn so sehr Susanne und Jürgen ihr „Baby“ über die Jahre ans Herz erwachsen ist, jünger werden auch sie nicht und freuen sich über eine schrittweise Übergabe an die nachwachsenden Generationen.
Was wird im B-Laden eigentlich so gekocht?
Vor allem Gemüse, tönen die drei wie aus einem Mund, denn Gemüse macht einen Großteil der geretteten Lebensmittel aus. Hinzu gekauft werden Basiszutaten wie Öl, Mehl, Reis und Nudeln. Fleisch und Fisch wird vor allem wegen der dafür höheren hygienischen Anforderungen weggelassen. Also gibt es vor allem Suppen, Kartoffelgerichte wie Backkartoffeln oder Püree, Brote und Salate - auch Obstsalat - sowie selbst hergestellte Kräuterbutter und -margarine, Gemüsesoßen und Kimchi. Das ist fermentierter Weißkohl auf koreanische Art. Nicht verkochtes Gemüse kann im Anschluss mit nach Hause genommen werden. Auch privat kocht Jürgen vor allem Gemüsegerichte, Susanne ebenso. Sie würzt sie am liebsten mit indischen und orientalischen Gewürzen. Außerdem berichtet Susanne von Salaten mit geriebenen Roten Beete und Möhren, die man am liebsten gleich mal kosten möchte. Auch Katrin kocht daheim jeden Tag frisch und vor allem mit Gemüse.
Wie es mit der „Küche für Alle“ und dem B-Laden weitergeht?
Ein Ziel sei es, dass durch die Kochaktionen noch mehr Menschen auf den kleinen Nachbarschaftsort in der Lehrter Straße aufmerksam werden. Denn wie gesagt: die Räumlichkeiten stehen für Gruppen offen, die sich für die Verbesserung des Wohnumfeldes und für eine lebendige Nachbarschaft einsetzen. Katrin erwähnt Ideen für solche Veranstaltungsformate wie Kleidertausch und Flohmärkte in Kooperationen mit der Kufa.
Es ist noch Platz im Belegungsplan
Der B-Laden führt einen Raumkalender bzw. Belegungsplan. Bei Interesse bitte Kontakt aufnehmen. Jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat gibt es ein Nachbarschaftscafé, bei dem jeder, der mag, willkommen ist. Unter der Leitung von Heike wird dort gemeinsam gespielt, gebastelt und geplaudert. Das Café ergänzt das seit 2020 bestehende Angebot des Projektes „Alt & Jung“.
Kochen verbindet…
…und deshalb freut sich die Kochgruppe über neue Leute, die Lust haben mitzukochen. Also einfach mal zu einem der Kochtermine vorbeikommen.
Termine der “Küche für Alle” im ersten Halbjahr 2026, die schon feststehen:
12. Februar, 12. März, 9. April, 11. Juni und 9. Juli 2026, jeweils ab 18:30 Uhr. Im Mai steht der Termin noch nicht fest.
Konkrete Wünsche, Fragen und Anregungen an die Kochgruppe des B-Ladens?
Kontakt: B-Laden, Lehrter Straße 30, 10557 Berlin, Tel. (030) 397 52 38, E-Mail: b-laden@lehrter-strasse-berlin.net.
Text & Interviewfotos: © Gerald Backhaus 2026, alle anderen Fotos stammen vom Projekt “Küche für Alle”