Immer im Kiez unterwegs - Katharina Homann und die Mobile Stadtteilarbeit von Moabit-Ost
von Gerald Backhaus
Katharina Homann, Emilia Ergin und Vi Rose - die drei von der Mobilen Stadtteilarbeit von Moabit-Ost strahlen in der Sonne um die Wette. Eigentlich wollten wir auch in der Sonne miteinander reden, doch durch einen plötzlichen starken Regenguss waren wir froh über einen Tee im Nachbarschaftsladen Stephans. Der ist einer der Standorte der Mobilen Stadtteilarbeit.
Seit 2023 am Start
Im August 2023 nahm dieses Projekt seine Arbeit auf. Sie ist bisher bis Ende 2025 befristet, soll aber sehr wahrscheinlich für zwei weitere Jahre verlängert werden, wie Katharina vom Trägerverein Moabiter Ratschlag e.V. berichtete. Dies war und ist nicht selbstverständlich, weil das Land Berlin auch im Bereich der mobilen Stadtteilarbeit für 2026 massive Einsparungen plant. Infrage steht in Moabit die Weiterfinanzierung des Teams der mobilen Stadtteilarbeit in Moabit West.
Laufzeit voraussichtlich bis 2027
Das Team in Moabit Ost ist etwas sicherer in der Finanzierung, weil das Projekt auch mit EU-Gelder über das Programm „Gemeinschaftsinitiative EFRE“ finanziert wird. Katharina und ihr Team setzen sich für ein nachbarschaftliches Miteinander im Kiez ein, unterstützen die Bewohnerschaft dabei, in den bestehenden Beratungs- und Hilfsangeboten anzukommen und möchten dabei helfen, den Kiez Moabit-Ost lebenswerter zu gestalten. Sie sind dazu mobil, also viel draußen unterwegs, und seit 2024 haben sie auch die Organisation vom Nachbarschaftsladen “Stephans” inne.
Viel los im Stephans: vom gemeinamen Arbeiten…
Dort finden viele unterschiedliche Angebote statt: vom Co-Working jeden Montag von 10 bis 16 Uhr über eine Spanisch-Konversationsgruppe, den Themen-Brunch von Michael und Nele immer dienstags, das Lese- und Erzählcafé mit Nancy, die Strick-Gruppe von Rini und Uschi, Nachbarschaftscoaching und eine türkische Frauengruppe bis hin zum gemeinsamen Kochen mit geretteten Lebensmitteln. Koordiniert werden alle diese Aktivitäten im Stephans seit kurzem von Vi Rose. Vi hat Physik studiert und kam durch die Nutzung des Co-Working-Angebots zum Team.
…bis zur Skatgruppe
An einem normalen Montag sitzen vier bis sechs Leute an ihren Laptops in den beiden Räumen. Maximal acht können hier arbeiten: vier im vorderen und vier im hinteren Zimmer. Hier kann man anders als in einer Bibliothek auch essen und trinken, und es gibt auch eine Küche. Die meisten Aktivitäten, die im Stephans stattfinden, laufen komplett ehrenamtlich. Das Neueste sei eine monatliche Skatgruppe, die eine Nachbarin ins Leben rief, berichtet Katharina. Schon zum Auftakt waren acht Leute zum Kartenspielen da. Meist kommen die Menschen aus der Nachbarschaft mit einer Idee für eine Gruppe und suchen dafür einen Raum. Und Katharina und ihr Team können manche der Gruppen etwas durch die Zahlung von Übungsleitergeldern anschieben und unter die Arme greifen.
Ein Netzwerk aus Stephans, B-Laden und dem Familienzentrum Moabit-Ost im Zillehaus
Im Moabiter Osten gibt es leider kein Stadtteilzentrum vergleichbar mit dem Moabiter Stadtschloss im westlichen Teil, erzählt Katharina. Ursprünglich sollte eines in einem Neubau der Berliner Stadtmission entstehen, doch dann wurde doch nicht gebaut. Stattdessen begann das Projekt des Moabiter Ratschlags, ein Netzwerk von Orten zu organisieren, an denen verschiedene Angebote für die Nachbarschaft andocken. Neben dem Stephans sind das vor allem der B-Laden und das Familienzentrum Moabit-Ost im Zillehaus. Hinzu kommt ein Kaffee-Lastenfahrrad, mit dem die Mobile Stadtteilarbeit jeden Mittwoch in der Zillesiedlung präsent ist.
Unterwegs in der Zillesiedlung
Zu finden ist das gesprächsbereite Team mit dem Kaffee und der guten Laune dort von 16 bis 18 Uhr im Hof der Claire-Waldoff-Promenade 12-14. In der Zillesiedlung konnte Emilia auch eine Kooperation mit der Howoge anschieben, so dass die Wohnungsgesellschaft dem Projekt einen Lagerraum zur Verfügung stellte, eine Informationstafel am Müllplatz aufstellte, und auch ein Sommerfest mit 1.200 Euro unterstützte. Bei der in der Siedlung sehr gut aufgenommenen Veranstaltung Anfang Juli 2025 unter freiem Himmel - in Zusammenarbeit mit dem Moabiter Kinderhof - gab es eine Hüpfburg für die Kinder. Ein verkleideter Künstler berichtete unterhaltsam über den Namensgeber, den berühmten Berliner Zeichner Heinrich Zille. Apropos Moabiter Kinderhof, ab Herbst 2025 möchte die Mobile Stadtteilarbeit dort ein Vormittagsangebot für ältere Menschen einrichten. Eine enge Zusammenarbeit gibt es auch mit dem Projekt MERحABA MOABÎT. Das sei sehr gut wegen deren Sprachkenntnisse und weil in der Siedlung viele Menschen mit türkischen und arabischen Wurzeln leben.
Moabit - ein Ort mächtiger Gentrifizierung
Katharina Homann ist in Flensburg geboren und hat ihre Kindheit und Jugend in Berlin-Kreuzberg verbracht. Seit 2008 lebt sie - unterbrochen durch ein sechsjähriges Intermezzo in Tempelhof - in Moabit. Das galt früher als „der Hinterhof der Regierung und ist heute ein Ort mächtiger Gentrifizierung“. Familien aus Prenzlauer Berg, die dort keine bezahlbare Wohnung mehr finden, ziehen nach Moabit und verdrängen wiederum die hier lebenden Familien. Nahe zur Arbeit zu wohnen, hat naturgemäß Vor- und Nachteile, so Katharina: man ist beruflich so richtig nahe dran an den Leuten. Das führt auch dazu, dass man ab und zu mal abends auch privat angesprochen wird.
Landschaftsplanerin Katharina in der Kinder- und Jugendbeteiligung
Während ihres Studiums der Landschaftsplanung in Kassel beschäftigte sie sich viel mit Fragen der Bürgerbeteiligung und damit, wie man etwas zusammen mit den Menschen, die es vor Ort konkret betrifft, planen kann. Drei Jahre lang arbeitete Katharina selbständig in der Kinder- und Jugendbeteiligung, bevor sie 2008 beim Moabiter Ratschlag e.V. eine halbe Stelle in diesem Bereich annahm. Dieser wuchs 2010 mit dem Kinder- und Jugendbüro des Bezirks Mitte zusammen. Durch das Beteiligungsgesetz des Berliner Senats ist die Kinder- und Jugendbeteiligung immer bedeutender geworden.
Küche im B-Laden
Statt tobender Kindergartengruppen nun Erwachsene: Ratschlag-„Urgestein“ Katharina - nur drei Personen arbeiten mittlerweile noch länger für den Verein als sie - fand mit Mitte fünfzig, dass es an der Zeit sei, dass sie nach so vielen Jahren ihrer Arbeit mit jungen Menschen nun zu den älteren Zielgruppen wechseln sollte. Als Mitglied im Quartiersrat Moabit-Ost, dem sie seit Anfang 2024 angehört, erinnert sie sich gern an die Entscheidung für den Einbau einer Küche im B-Laden. Ende Juli war ein Installateur dort vor Ort, im August wurde die Elektrik eingebaut, und die Tischlerarbeiten wurden von den Moabiter "Baufachfrauen“ übernommen. Im Oktober 2025 soll dann losgekocht werden. Im B-Laden ist auch Katharina zu den Sprechzeiten immer montags von 15 bis 18 Uhr anzutreffen, um das Team des B-Laden zu unterstützen.
Der neue Stadtteiladen in der Rathenower
Wünsche? Auch wenn es noch eine Weile dauern wird mit den Bauarbeiten: Katharina freut sich schon auf den Stadtteilladen, der in einem Neubau der Wohnungsgesellschaft WBM in der Rathenower Straße entstehen soll. Dort - unweit der Zillesiedlung - sollen zwei Ladenlokale mit je 100 Quadratmetern Fläche vom Bezirk Mitte angemietet und für die Nachbarschaftsarbeit zur Verfügung gestellt werden. Dort wäre rein platztechnisch viel mehr machbar als im Stephans mit den zwei Durchgangszimmern, in denen man sich nicht für persönliche Beratungsangebote zurückziehen kann. „Das wäre klasse, wenn es Ende 2026 damit losgeht, weil das QM Moabit-Ost ja nur noch bis Dezember 2027 existiert und damit ein wichtiges Ziel des QM erreicht werden würde.“ Alternativ wird auch der Standort Alt-Moabit 23 diskutiert. Dort plant das Jugendamt Mitte auf einem eigenen Grundstück den Bau eines neuen Kindergartens, in den auch ein Stadtteiltreff integriert werden soll. Ein ganz großer Wunsch von Katharina ist natürlich die Absicherung des Nachbarschaftsladens Stephans, der für den Kiez immer wichtiger wird. Unabhängig von den wechselnden Projektgeldern wäre für diese Einrichtung eine Grundförderung vom Senat - so ähnlich wie beim Stadtschloss Moabit - richtig gut. Wir drücken dafür die Daumen.
Kontakt zu Katharina Homann und der Mobilen Stadtteilarbeit: katharina.homann@moabiter-ratschlag.de, https://moabiter-ratschlag.de/orte/kiez-machen-mobile-stadtteilarbeit-in-moabit/
Text & Interviewfotos: © Gerald Backhaus 2025, die anderen Fotos stammen von Katharina Homann