Katrin Syperek - Über Stadtteilkoordination, Kuturmanege, Linoldruck und mehr

Ein Interview von Gerald Backhaus

Katrin Syperek treffe ich ihm Café Arema in der Birkenstraße. Das passt von der zentralen Lage insofern sehr gut, weil Katrin überall in Moabit zu tun hat. Sie wohnt hier im Stadtteil und arbeitet u.a. als Stadtteilkoordinatorin für Moabit-West, betreut die Kulturmanege auf dem Ottospielplatz sowie das Küchenprojekt im B-Laden. Außerdem ist sie als Künstlerin im Bereich Linoldruck tätig. 

„Aufgewachsen in der Platte in Erfurt"

An Moabit schätzt Katrin besonders den fast dörflichen Charakter, womit sie einen großen sozialen Zusammenhalt und das stark vorhandene ehrenamtliche Engagement verbindet. 1980 geboren in Erfurt und dort „aufgewachsen in der Platte" ist Katrin. In Erfurt spielte sie 13 Jahre lang am stadtbekannten Amateurtheater „Schotte" und wirkte u.a. in Shakespeares „Sommernachtstraum" und der Komödie „Lysistrate" von Aristophanes mit. „Das hat mich gerettet", erzählt sie über das für sie als Jugendliche damals neue Umfeld mit den vielen künstlerisch veranlagten Leuten. 

In der Theaterwelt zu Hause

Nach dem Abitur studierte sie Germanistik und Kunstgeschichte in Jena und Dresden und hospitierte nebenbei bei verschiedenen Theatern wie dem Volkstheater Rostock. Vor ihrem Studienabschluss übernahm sie als Schwangerschaftsvertretung eine Stelle als Dramaturgin am Rostocker Volkstheater. Die Entscheidung, ob weiterhin Theater oder zunächst erst der Studienabschluss, fällte sie zugunsten ihrer akademischen Laufbahn. In Dresden machte Katrin ihren Magister in Kunstgeschichte zu einem filmwissenschaftlichen Thema, und zwar „Kunstrezeption im Film ‚Eyes Wide Shut' von Stanley Kubrick". Später arbeitet sie als Dramaturgin im Schauspiel und Puppentheater des Theaters Junge Generation in Dresden. 

In Moabit seit 2008

Seit 2008 lebt die Thüringerin schon in Berlin. Von der Wiclefstraße zog sie in die Oldenburger und später in die Gotzkowskystraße, also immer in Moabit! Hier hat sie auch ihren Sohn geboren. Beruflich ging es sowohl beim Casting in der Filmagentur „Filmgesichter" als auch beim Interkulturell(e) Aktiv e.V. weiter. In dessen Büro im Wedding wurde Katrin mit Förderungen und Verträgen vertraut und lernte die Projektarbeit u.a. in den Bereichen Theaterpädagogik, und Medientechnik (Sprachförderung und Jugend) kennen. Hier betreute sie erste medien- und sprachpädagogische Projekte für Kinder und Jugendliche. 

Von Leseförderung für Kinder und dem Projekt „Frauen iD"

2016 stieß sie durch Michael Dressler, den damaligen Mitarbeiter der Kurt-Tucholsky-Bibliothek und später der Bruno-Lösche-Bibliothek, zum Leseförder-Projekt von Grundschulkindern mit Fluchterfahrung in den „Willkommensklassen". Parallel betreute sie beim Paritätischen Bildungswerk Bundesverband e.V. das Projekt „Frauen iD". Dessen Ziel war, das Selbstwertgefühl und die Selbstlernkompetenzen von geflüchteten Frauen „in Deutschland" („iD") durch kulturelle Bildungsangebote zu fördern. Im Dezember 2016 wurde Katrin dann Projektleiterin für Leseförderung in der Kurt-Tucholsky-Bibliothek in Trägerschaft des Moabiter Ratschlag e.V. Die Angebote und Kurse zur Leseförderung und u.a. zum Thema Cybermobbing, kamen gut an bei Kindern aus den Moabiter Grundschulen und Kindergärten. Ehrenamtlich hatte sie vier Jahre lang den Förderverein der Schule ihres Sohnes, der Miriam-Makeba-Grundschule, geleitet und dort verschiedene Theater-Projekte und das Schulfach „Glück" mitinitiiert und leitete später auf Honorarbasis eine Mädchen-AG. 

Katrin als Stadtteilkoordinatorin

Nach über sieben Jahren im Bereich der Leseförderung wechselte Katrin 2023 die Position innerhalb des Trägervereins Moabiter Ratschlag und übernahm die Stadtteilkoordination Moabit-West. Vernetzen, Menschen zusammenzubringen und Projektideen zu fördern gehört dabei zu ihren wichtigsten Aufgaben. „Ich habe ein offenes Ohr für alle." Ob ein Straßenfest oder eine begrünte Baumscheibe - durch die Stadtteilkasse kann sie jedes Jahr 10 Nachbarschaftsaktionen mit einem Gesamtbudget von 5.000 Euro unterstützen. Weil sogenannte „Förderkulissen" wie das Lebendige Zentrum Turmstraße wegfallen und der Stadtteilladen in der Krefelder Straße Ende 2026 schließt, gab es schon in diesem Jahr leider kein Moabiter Kiezfest am Rathaus Tiergarten mehr. Das hat eine Lücke gerissen, findet Katrin. Um so begrüßenswerter sei es, dass ab 2027 die Stadtteilkoordination Plus in Form einer weiteren Teilzeit-Stelle für Moabit-Ost und -West eingerichtet wird. 

“Küche für Alle” in Moabit-Ost

Parallel zur halben Stelle als Stadtteilkoordinatorin betreute Katrin das Küchenprojekt „Küche für Alle" im B-Laden in der Lehrter Straße bis Ende 2026.

Die neue Kulturmanege auf dem Ottoplatz

2025 übernahm sie zudem die Koordination für die Kulturmanege Moabit. Der Beteiligungsaspekt wird in dem Zelt auf dem Ottospielplatz ganz groß geschrieben. Dieses Objekt wurde mit Wärmepumpe und Solarzellen auf dem Dach des angrenzenden Spielhauses ausgestattet und ist dadurch ganzjährig bespielbar. Am 9. Juli 2026 wurde die Kulturmanege feierlich eröffnet. Katrin ist die Ansprechpartnerin, wenn man dort in Eigenregie etwas organisieren möchte. Vormittags wird die Kulturmanege von Kindergartengruppen und Schulklassen genutzt. Nachmittags zählt sie als „offener Bereich", in dem die Kinder vom Team des Ottospielplatzes rund um Nele Fliegner betreut werden. 

Die Manege kann man mieten

Und „abends und an den Wochenenden kann man die Manege mieten", erzählt Katrin. Dieses Angebot erfreut sich großer Beliebtheit: Musikschulen nutzen das Zelt für Konzerte und Vorspiele, Kino Moabit zeigte Filme, das Schauspielensemble Moabiter Theaterspektakel führte hier seine Version von Kafkas „Prozess" auf, der „Baumentscheid Berlin" sowie "Deutsche Wohnen & Co enteignen", trafen sich hier, und auch das Stadtteilplenum Moabit fand in der Kulturmanege statt. 

Bürgerbeteiligung und Kooperationen 

Apropos Bürgerbeteiligung, immer mehr Kooperationen mit der Nachbarschaft sollen in und um die Kulturmanege entstehen, erläutert Katrin die Ziele dieser für Moabit wichtigen Einrichtung. Zukünftig sollen Beiräte über die Nutzungen der Kulturmanege mitentscheiden. Das ist schon mal geschehen im Falle des Kinderbeirats. Dort haben Kinder während der Bauarbeiten über die Farbe im Zelt (rot) und das Motto (Spaß) entschieden. Als neu aufgelegtes Projekt soll ein Beirat aus Erwachsenen initiiert werden, in dem Fachleute und Nachbarn zusammenkommen, um über die Nutzungen der Kulturmanege zu entscheiden. Dabei wird bei pädagogischen Projekten natürlich immer das Team vom Ottospielplatz einbezogen. 

Katrins Linoldrucke

Bleibt Katrin bei so vielen beruflichen Aufgaben noch Zeit für anderes? Ja! Sie ist Künstlerin und fertigt Linoldrucke an. Zusammen mit der Keramikerin Esther Klobe-Weihmann - vielen in Moabit als Moderatorin des Stadtteilplenums bekannt - wirkte Katrin mehrere Jahre lang im „Huttenwerkraum". Diese künstlerischen Arbeiten empfindet sie als wunderbaren meditativen Ausgleich: „Das macht mir den Kopf frei, gerade wenn ich vorher mit vielen Menschen kommuniziert habe." 

Kontakt zu Katrin Syperek: Tel: 0176 76497885, E-Mail: katrin.syperek@moabiter-ratschlag.de, Webseite: Stadtteilkoordination Moabit West - Berlin.de 

Text & Interviewfotos: © Gerald Backhaus 2026